Sätze wie:
- „Sei nicht so sensibel.“
- „Das war doch gar nicht böse gemeint.“
- „Jetzt stell dich nicht so an.“
klingen auf den ersten Blick harmlos. Im Kontext von Mobbing oder wiederholter Grenzverletzung erfüllen sie jedoch oft eine wichtige Funktion: Sie lenken die Verantwortung vom Verhalten der verletzenden Person auf die Reaktion der betroffenen Person.
Auch ein spannender Beitrag zu dem Thema: Zivilcourage bei Mobbing: Warum Schweigen Täter stärkt
Die Psychologie dahinter: Bagatellisierung & Gaslighting
Die Forschung beschreibt solche Muster als Bagatellisierung, Invalidierung emotionaler Erfahrungen und wenn systematisch die Wahrnehmung der betroffenen Person infrage gestellt wird, wird das als Elemente von Gaslighting betrachtet.
Gaslighting bezeichnet eine Form der psychologischen Manipulation, bei der die Wahrnehmung, Erinnerung oder Gefühlswelt einer Person wiederholt infrage gestellt wird, sodass sie zunehmend an sich selbst und ihrer Realität zweifelt.
Das Problem ist nicht, dass jemand sensibel ist.
Das Problem ist, dass berechtigte Reaktionen auf respektloses Verhalten als persönlicher Makel dargestellt werden.
Die Spirale der Selbstzweifel
Dadurch beginnen viele Betroffene an sich selbst zu zweifeln:
„Vielleicht übertreibe ich wirklich.“
„Vielleicht bin ich das Problem.“
Genau diese Selbstzweifel sind einer der Gründe, warum Mobbing häufig lange bestehen bleibt.
Die Fragestellung verändern
Statt zu fragen: 👉 „Warum bist du so empfindlich?“
wäre die bessere Frage: 👉 „Welches Verhalten hat diese Reaktion ausgelöst?“
Denn Empfindsamkeit ist keine Schwäche. Sie ist oft ein Hinweis darauf, dass persönliche Grenzen verletzt wurden.
Was hilft Betroffenen?
✔️ Eigene Wahrnehmung ernst nehmen.
✔️ Konkrete Situationen dokumentieren.
✔️ Rückmeldung von vertrauenswürdigen Personen einholen.
✔️ Wiederkehrende Muster statt einzelne Vorfälle betrachten.
✔️ Unterstützung durch Führungskräfte, Betriebsrat oder externe Beratung suchen.
Was können Führungskräfte tun?
Reagiert eine Mitarbeitende oder ein Mitarbeitender sehr sensibel, sollte dies nicht vorschnell als Überempfindlichkeit bewertet werden.
Fragt stattdessen nach:
„Was genau hat diese Reaktion ausgelöst?“
Fangt an, den Kontext zu prüfen und achtet auf wiederkehrende Muster. Sensible Reaktionen können ein Hinweis darauf sein, dass Grenzen verletzt wurden oder Belastungen bestehen und verdienen daher eine respektvolle Klärung statt vorschneller Urteile.
Das Fazit
Nicht die Emotion macht aus Mobbing ein Problem, sondern das Verhalten, das diese Emotion wiederholt auslöst.
