Auf der linken Seite befindet sich eine schwarze Fläche mit folgendem Zitat in großer, weißer Schrift: „Anerkennung passiert nicht immer automatisch. Manchmal beginnt sie damit, den Mut zu haben, die eigene Leistung sichtbar zu machen“ Unten links steht in etwas kleinerer, weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Seite zeigt in einem abgerundeten, geschwungenen Ausschnitt ein Ganzkörperfoto: Es zeigt Katrin Winkler in einem auffälligen, langen, türkis- bzw. smaragdgrünen Kleid mit langen Ärmeln. Sie streckt beide Arme hoch über den Kopf, sodass sich ihre Handflächen berühren – eine aufrechte, gestreckte Pose. Sie blickt dabei lächelnd nach oben. Sie befindet sich in einer modernen Indoor-Umgebung vor einer leuchtend orangefarbenen Sitznische bzw. Raumteiler-Couch.

„Man wünscht sich, dass Anerkennung automatisch passiert.“

Dieser Satz einer Teilnehmerin ist mir gestern hängen geblieben.

Denn eigentlich klingt es logisch: Ich leiste gute Arbeit. Ich übernehme Verantwortung. Ich liefere Ergebnisse. Also wird das gesehen.

Nur: So funktioniert Sichtbarkeit im Berufsleben nicht immer.

Gestern durfte ich im Women in Leadership Programm der Kempten Business School mit einer beeindruckenden Gruppe leistungsstarker Frauen genau darüber sprechen: Was hält uns trotz Kompetenz und Leistung manchmal davon ab, den Raum einzunehmen, der uns eigentlich zusteht?

Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen ist keine Selbstinszenierung

Ein Thema war die eigene Sichtbarkeit:

  • Über Erfolge zu sprechen.
  • Den eigenen Beitrag klar zu benennen.
  • Für die eigene Sache einzustehen.
  • Nicht darauf zu warten, dass andere schon erkennen werden, was man leistet.

Und ja: Das kann sich unangenehm anfühlen. Schnell nach Selbstdarstellung. Nach „zu viel“.

Dabei ist Sichtbarkeit nicht dasselbe wie Selbstinszenierung. Es bedeutet, den eigenen Beitrag nicht unsichtbar zu machen.

Das Phänomen der dauerhaften Selbstüberprüfung

Ein zweites Thema hat mich ebenso beschäftigt: Wie schnell selbst sehr kompetente, leistungsstarke Frauen beginnen, sich selbst infrage zu stellen. Ein kritischer Kommentar und schon startet das Overthinking:

  • War ich zu direkt?
  • Habe ich etwas übersehen?
  • Bin ich wirklich gut genug?

Die eigenen Erfolge werden relativiert, während Fehler und Kritik erstaunlich viel Gewicht bekommen. Genau diese „dauerhafte Selbstüberprüfung trotz objektiver Leistung“ war auch ein Thema unseres Workshops.

Dabei wäre es zu einfach, daraus ein individuelles „Frauen müssen einfach selbstbewusster werden“ zu machen. Barrieren wirken auf mehreren Ebenen: strukturell, in der Interaktion mit anderen und in unseren eigenen inneren Mustern.

Was wir selbst beeinflussen können

Die Frage ist deshalb nicht nur: Was hält mich zurück?

Sondern auch: Was kann ich selbst beeinflussen?

Vielleicht bedeutet das:

  • Im nächsten Meeting früher zu sprechen.
  • Einen Erfolg nicht sofort mit „Das war ja Teamarbeit“ kleinzureden.
  • Eine Entscheidung zu vertreten, obwohl noch nicht jede Unsicherheit beseitigt ist.
  • Oder den eigenen Beitrag einmal klar auszusprechen – ohne Rechtfertigung und ohne Relativierung.

Fazit: Wirksamkeit beginnt mit Klarheit, nicht mit Perfektion

Denn ein Gedanke aus unserem Workshop trifft es für mich sehr gut:

Wirksamkeit beginnt mit Klarheit, nicht mit Perfektion.

Und Veränderung entsteht oft nicht durch den einen großen mutigen Schritt, sondern durch viele kleine Entscheidungen, sich selbst nicht länger zurückzunehmen.

Danke an die Teilnehmerinnen für die Offenheit und den ehrlichen Austausch gestern. Genau solche Gespräche machen das Women in Leadership Programm für mich besonders wertvoll.