Auf der linken Seite befindet sich eine schwarze Fläche mit folgendem Zitat in großer, weißer Schrift: „Ich erwarte nicht mehr, dass andere meine Grenzen erkennen. Ich entscheide mich, sie klar zu zeigen“ Unten links steht in etwas kleinerer, weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Seite zeigt in einem kreisförmigen beziehungsweise ovalen Ausschnitt ein Porträtfoto im Halbprofil: Es zeigt Katrin Winkler, die eine Hand flach mit der Handfläche nach vorne in Richtung der Kamera streckt – eine klassische Geste für „Stopp“ oder das Setzen einer Grenze. Sie blickt dabei entschlossen und ruhig in die Kamera. Sie trägt ein magenta- bzw. pinkfarbenes Oberteil unter einer weißen Jacke sowie hängende Ohrringe. Im unscharfen Hintergrund ist rechts oben ein Schild zu erkennen, auf dem unter anderem das Wort „STOPP“ steht.

„Das merkt man doch“: Warum Grenzen setzen im Beruf Eigenverantwortung braucht

Ich dachte lange, Menschen merken selbst, wenn sie zu weit gegangen sind:

  • Wenn sie eine Grenze überschritten haben.
  • Wenn ein Kommentar unangemessen war.
  • Wenn aus einem Scherz etwas Verletzendes wurde.
  • Wenn ein Verhalten einfach nicht mehr okay war.

Ich dachte: Das merkt man doch.

Und wenn nicht, dann reicht bestimmt ein subtiler Hinweis. Ein Blick. Eine etwas zurückhaltendere Reaktion. Vielleicht auch einfach ein Weglächeln, das eigentlich sagen soll: Bis hierhin und bitte nicht weiter.

Die Falle der falschen Annahmen

Dahinter steckte bei mir wahrscheinlich ein sehr einfacher Gedanke: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Ich ging davon aus, dass andere Grenzen ähnlich wahrnehmen würden wie ich. Heute weiß ich: Das funktioniert nicht.

Denn Menschen können keine Grenzen respektieren, die für sie nicht erkennbar sind.

Und wenn ich etwas immer wieder weglächle, obwohl es für mich längst nicht mehr in Ordnung ist, entsteht beim Gegenüber möglicherweise eine völlig andere Botschaft: Das ist okay.

Das habe ich lernen müssen.

Die plötzliche Irritation beim Gegenüber

Und dann passiert etwas Interessantes: Sagt man irgendwann doch sehr deutlich „Stopp“, ist das Gegenüber mitunter völlig irritiert:

„Was ist denn jetzt plötzlich los?“

Nur: Plötzlich war es für mich gar nicht.

Die Grenze war längst überschritten. Ich hatte sie nur nicht klar ausgesprochen.

Wie klares Grenzen setzen im Beruf heute gelingt

Das mache ich heute anders:

  • Ich setze Grenzen früher.
  • Ich spreche Dinge klarer an.
  • Ich sage, wenn für mich etwas nicht in Ordnung ist.

Nicht aggressiv. Nicht unnötig konfrontativ. Aber eindeutig.

Mag der eine oder die andere nicht. Dafür weiß jeder, woran er oder sie bei mir ist.

Klarheit ist Teil von Wertschätzung

Und ich habe noch etwas gelernt: Klare Grenzen sind nicht das Gegenteil von Wertschätzung. Sie sind ein Teil davon.

Denn Klarheit gibt meinem Gegenüber die Chance, sein Verhalten zu verstehen und darauf zu reagieren.

Ich erwarte heute nicht mehr, dass andere meine Grenzen erraten. Ich übernehme die Verantwortung dafür, sie zu zeigen.

Das ist eine Sache, über die ich im Laufe meines Berufslebens meine Meinung geändert habe.