Auf der linken Seite befindet sich eine schwarze Fläche mit folgendem Zitat in großer, weißer Schrift: „Nicht jeder muss meinen Anspruch teilen. Aber auch nicht jeder muss mit mir arbeiten“ Unten links steht in kleinerer, weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Seite zeigt in einem großen, kreisförmigen beziehungsweise ovalen Ausschnitt ein Porträtfoto: Es zeigt Katrin Winkler von der Seite/im Halbprofil vor einer modernen Gebäudefassade mit bläulichen Glaselementen im unscharfen Hintergrund. Sie blickt ruhig und selbstbewusst leicht nach links oben. Sie trägt einen altrosafarbenen Blazer mit auffälligen Knöpfen über einem gestreiften Oberteil sowie elegante Hängeohrringe. Ihre rechte Hand liegt sanft im Vordergrund auf einem Geländer.

Ich habe hohe Ansprüche.

An mich selbst.

An meine Arbeit.

An Qualität und Ergebnisse.

Ich habe viel Energie, ein hohes Tempo und meistens ziemlich viel Motivation. Wenn ich mich für etwas entschieden habe, will ich es richtig gut machen.

Der Fehler mit den eigenen Maßstäben

Lange habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe meine eigenen Ansprüche auf andere übertragen.

  • Wenn ich etwas leisten konnte, dachte ich: Das kann man doch erwarten.
  • Wenn ich noch Luft nach oben gesehen habe, war ich unzufrieden.
  • Und wenn jemand mit einem Ergebnis zufrieden war, bei dem ich dachte „Da geht doch noch einiges“, konnte ich das nicht immer nachvollziehen.

Irgendwann hörte ich einen Satz, den ich mir bis heute immer wieder sage:

„One person’s stretch is another person’s holiday.“

Was für mich leicht ist, kann für jemand anderen eine echte Herausforderung sein.

Was mich fordert, langweilt vielleicht jemand anderen.

Klingt banal. War für mich aber ein wichtiges Learning.

Auch die Forschung zu Zielen und Leistung zeigt: Ein anspruchsvolles Ziel wirkt nicht auf jeden Menschen gleich. Fähigkeiten, Motivation, Ressourcen, Commitment und Feedback spielen eine Rolle.

Akzeptanz bedeutet nicht, die Messlatte zu senken

ABER – und das ist der Teil, den ich heute genauso wichtig finde:

Das bedeutet nicht, dass ich jeden Leistungsanspruch akzeptieren muss.

  • Ich muss meine Messlatte nicht senken, nur weil jemand anderes eine andere hat.
  • Und ich muss auch nicht mit jedem Menschen zusammenarbeiten.

Wie hohe Leistungsansprüche in der Zusammenarbeit gelingen

Was ich verändert habe, ist etwas anderes. Ich schaue heute genauer hin, mit wem ich zusammenarbeite. Ich sage früher und klarer, was ich erwarte:

  • Welches Qualitätsniveau.
  • Welches Commitment.
  • Welches Tempo.
  • Welche Eigenverantwortung.

Und dann darf mein Gegenüber entscheiden: Passt das zu mir?

Genauso wie ich entscheiden darf: Passt das zu mir?

Denn auch das habe ich lernen müssen:

Unterschiedliche Ansprüche machen keinen von uns zum schlechteren Menschen. Sie können uns aber zu schlechten Arbeitspartnern machen.

Das eigentliche Learning

Ich respektiere heute viel stärker, dass Menschen unterschiedliche Ambitionen, Energien und Vorstellungen davon haben, was sie beruflich leisten wollen. But Respekt bedeutet für mich nicht, dass ich damit arbeiten können oder wollen muss.

Vielleicht ist das mein eigentliches Learning:

Ich darf viel erwarten. Ich muss nur aufhören zu glauben, dass jeder dasselbe wollen muss wie ich.

Und ich darf mir die Menschen suchen, mit denen Anspruch, Energie und Ambition zusammenpassen.