Auf der linken Seite befindet sich eine dunkelblaue Fläche mit dem englischen Zitat in großer, weißer Schrift: „Kind? Always.Nice?Not necessarily“Ganz unten links steht in etwas kleinerer, weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Seite öffnet sich in einer runden, geschwungenen Form zu einem Porträtfoto: Es zeigt Katrin Winkler im Anschnitt vor einem verschwommenen, modernen Gebäudehintergrund. Sie blickt leicht lächelnd nach oben links aus dem Bild heraus, trägt ein dunkles, samtartiges Oberteil sowie goldene, runde Ohrringe.

Sei nett. Sei brav. Pass dich an: Warum Klarheit und Empathie in der Führung kein Widerspruch sind

Das habe ich früh gelernt:

  • Nicht zu laut sein.
  • Nicht unangenehm auffallen.
  • Nicht streiten.
  • Lieber nachgeben.

Und vor allem: nett sein.

Lange dachte ich, das sei auch im Berufsleben eine Stärke. Und natürlich ist es eine Stärke, anderen Menschen mit Respekt, Empathie und Wohlwollen zu begegnen.

Aber irgendwann habe ich verstanden: Nett sein und gute Führung sind nicht dasselbe.

Die Kehrseite des Nettseins

Denn mein „Nettsein“ hatte manchmal eine Kehrseite:

  • Ich wollte Harmonie.
  • Ich wollte niemanden vor den Kopf stoßen.
  • Ich habe Konflikte lieber entschärft als ausgetragen.

Und manchmal habe ich Dinge länger laufen lassen, als ich es als Führungskraft hätte tun sollen.

Heute sehe ich das anders.

Führung zwischen Menschlichkeit und Konsequenz

Das bedeutet für mich nicht, möglichst nett zu sein. Führung bedeutet, positive Beziehungen UND Klarheit zu schaffen:

  • Zuzuhören und trotzdem eine Entscheidung zu treffen.
  • Empathisch zu sein und trotzdem Nein zu sagen.
  • Menschen zu stärken und trotzdem deutlich anzusprechen, wenn etwas nicht funktioniert.
  • Andere Meinungen zuzulassen und trotzdem eine klare Haltung zu haben.

Das Spannende ist: Auch die Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Verträglichkeit und Zugewandtheit können durchaus zu wirksamer Führung beitragen. Gleichzeitig ist Konfliktvermeidung nicht dasselbe wie gute Zusammenarbeit.

Das war für mich ein wichtiges Learning: Ich muss nicht zwischen Menschlichkeit und Klarheit wählen.

  • Ich kann wertschätzend UND unbequem sein.
  • Zugewandt UND konsequent.
  • Empathisch UND klar.

Der Unterschied zwischen „nice“ und „kind“

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen „nice“ und „kind“:

„Nice“ möchte gefallen.

„Kind“ begegnet Menschen mit Respekt, auch dann, wenn es etwas Unangenehmes zu sagen gibt.

Heute möchte ich deshalb nicht mehr unbedingt die nette Führungskraft sein. Ich möchte eine Führungskraft sein, bei der Menschen wissen, woran sie sind – und gleichzeitig wissen, dass sie als Mensch gesehen und respektiert werden.

Das ist eine Sache, über die ich im Laufe meines Berufslebens meine Meinung geändert habe.

Kind? Always.

Nice? Not necessarily.