Auf der linken Seite befindet sich eine kräftig blaue Fläche mit dem großen, weißen Zitat: „Die ersten 30 Minuten eines Meetings beginnen Tage vorher: Mit jeder Einladung entscheidet Führung, ob Orientierung oder Unsicherheit entsteht“ Unten links steht in weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Bildhälfte geht in geschwungener Form in ein Porträtfoto über. Es zeigt Katrin Winkler in einem bunt gemusterten Kleid (mit blauen, roten und weißen Akzenten) und auffälligen Ohrringen. Sie hält ein Glas in der Hand und blickt mit einem ruhigen, zugewandten Ausdruck direkt in die Kamera.

Wenn eine Kalendereinladung zur Belastungsprobe wird

Es gibt eine Unsitte, die ich in Organisationen immer wieder beobachte:

Eine Termineinladung erscheint im Kalender. Der Titel ist kryptisch. Keine Agenda. Kein Ziel. Kein Hinweis, warum genau ich dabei sein soll. Keine Information, ob ich etwas vorbereiten muss oder ob lediglich informiert wird.

Für die einladende Führungskraft mag das belanglos erscheinen.

Für die Eingeladenen beginnt dagegen oft ein ganz anderer Prozess:

  • 👉 Habe ich etwas falsch gemacht?
  • 👉 Geht es um Veränderungen?
  • 👉 Warum sind genau diese Personen eingeladen?
  • 👉 Soll ich etwas präsentieren?
  • 👉 Ist das ein gutes oder ein schlechtes Gespräch?

Unser Gehirn hasst Informationslücken

Wo Informationen fehlen, entstehen Hypothesen. Und diese sind selten optimistisch.

Genau hier beginnt gute Führung.

Führung bedeutet nicht nur, Entscheidungen zu treffen. Führung bedeutet vor allem, Orientierung zu geben.

Wer Informationen zurückhält, obwohl sie ohne Weiteres geteilt werden könnten, erzeugt Unsicherheit. Unsicherheit bindet Aufmerksamkeit, kostet Energie und schmälert Vertrauen.

Psychologische Sicherheit beginnt vor dem Meeting

Amy Edmondson beschreibt psychologische Sicherheit als die Überzeugung, dass Menschen ohne Angst vor negativen Konsequenzen Fragen stellen, Unsicherheiten äußern und sich einbringen können.

Diese Sicherheit entsteht nicht erst im Meeting. Sie beginnt bereits mit der Art, wie wir zu einem Meeting einladen.

Auch die Forschung zur Gestaltung wirksamer Meetings zeigt, dass eine vorab kommunizierte Agenda Erwartungen klärt, Vorbereitung ermöglicht und die Qualität der Zusammenarbeit verbessert.

Eine gute Agenda beantwortet mindestens vier Fragen:

  • 👉 Warum treffen wir uns?
  • 👉 Was soll am Ende erreicht sein?
  • 👉 Welche Rolle haben die Teilnehmenden?
  • 👉 Muss jemand etwas vorbereiten?

Es geht um Respekt

Nicht um übertriebene Bürokratie.

Es geht um Respekt.

👉 Respekt vor der Zeit anderer.
👉 Respekt vor ihrer Konzentration.
👉 Und Respekt vor ihrer psychologischen Sicherheit.

Eine Agenda kostet oft weniger als fünf Minuten, genauso wie ein paar Zeilen dazu, worum es geht.

Die Unsicherheit, die durch das Fehlen von Informationen entsteht, beschäftigt Menschen manchmal tagelang.

Vielleicht sollten wir Führung auch an solchen vermeintlichen Kleinigkeiten messen.

Denn Kultur entsteht selten durch große Reden, sondern durch die Summe alltäglicher Führungsentscheidungen.