Das Bild ist im Querformat gestaltet und folgt dem bekannten Designstil deiner Zitat-Reihe. Es teilt sich in eine linke Grafikfläche und ein rechtes Foto auf. Die linke, etwas größere Hälfte des Bildes hat einen tiefschwarzen Hintergrund. Darauf steht in großen, weißen Druckbuchstaben das folgende Zitat: „Mobbing lebt von Zustimmung, Schweigen und Wegsehen. Zivilcourage beginnt dort, wo Menschen bereit sind, genau das nicht mehr zu tun“ Ganz unten links auf der schwarzen Fläche ist in kleinerer, weißer Schrift der Name der Urheberin platziert: Katrin Winkler. Auf der rechten Seite geht die schwarze Fläche in einer eleganten, nach innen gewölbten Kurve in ein Porträtfoto über. Das Foto zeigt eine Nahaufnahme von Katrin Winkler, die leicht nach links gedreht ist und mit einem aufmerksamen, leicht geöffneten Mund spricht, als sei sie mitten in einer Erklärung. Sie hat dunkle, nach hinten gesteckte Haare, trägt markante, gemusterte Ohrringe, ein weißes Oberteil und eine dunkle Denim- oder Jeansjacke. Der Hintergrund hinter ihr ist hell und zeigt vage die Konturen eines klassischen Ölgemäldes mit einer stehenden Person.

Zivilcourage bei Mobbing: Warum Schweigen Täter stärkt

Mobbing ist selten das Werk einer einzelnen Person

Wenn von Mobbing die Rede ist, richtet sich der Blick meist auf die Täter.

Doch genau diese Perspektive greift zu kurz.

Die Forschung zeigt, dass Betroffene deutlich häufiger von Gruppen als von einzelnen Personen schikaniert werden. Mobbing ist deshalb nicht nur ein Täterproblem, sondern vor allem ein Gruppenproblem.

Meist gibt es eine Person, die die Dynamik antreibt. Entscheidend dafür, ob Mobbing weiter eskaliert oder gestoppt wird, sind jedoch die Menschen drumherum.

  • Diejenigen, die mitlachen.
  • Diejenigen, die Gerüchte weitertragen.
  • Diejenigen, die schweigen.
  • Diejenigen, die an der Ausgrenzung mitwirken.
  • Und diejenigen, die bewusst wegsehen.

Warum auch passives Verhalten Mobbing verstärkt

Die wenigsten Menschen würden von sich behaupten, einen Kollegen oder eine Kollegin aktiv zu mobben.

Trotzdem tragen viele dazu bei.

Nicht immer aktiv.

Oft passiv.

Genau darin liegt die unbequeme Wahrheit:

Ich habe das Mobbing vielleicht nicht begonnen.

Aber wenn ich mitmache, schweige oder wegsehe, werde ich Teil des Systems.

Passend dazu habe ich bereits beschrieben, warum häufig nicht die Täter, sondern die Opfer die Konsequenzen tragen:

👉 Täter-Opfer-Umkehr: Warum oft die Falschen die Konsequenzen tragen

Die Rolle der Beobachter

Studien zeigen, dass Beobachter erheblichen Einfluss darauf haben, ob Mobbing eskaliert oder beendet wird.

Antisoziales Verhalten von Beobachtern verstärkt die Dynamik.

Unterstützendes Verhalten kann sie dagegen durchbrechen (Mulder et al., 2016).

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

Was tun die Täter?

Sondern auch:

Wie reagieren alle anderen?

Warum greifen so wenige Menschen ein?

Die Antwort ist ernüchternd.

Nicht Bosheit ist häufig der Grund.

Sondern Angst.

Mulder und Kollegen (2016) konnten zeigen, dass viele Beobachter befürchten, selbst ausgegrenzt oder Ziel von Angriffen zu werden, wenn sie sich auf die Seite der Betroffenen stellen. Die Autoren sprechen von „Stigma by Association“ der Sorge, durch die Unterstützung eines Opfers selbst Nachteile zu erfahren.

Diese Angst erklärt, warum selbst Menschen, die Mobbing ablehnen, häufig schweigen.

Zivilcourage bei Mobbing beginnt im Alltag

Genau deshalb braucht Mobbing Zivilcourage.

Denn Zivilcourage bedeutet, etwas zu riskieren.

  • Nicht mitzulachen.
  • Gerüchte zu stoppen, statt sie weiterzutragen.
  • Ausgrenzung offen anzusprechen.
  • Betroffenen Rückhalt zu geben.
  • Die eigene Stimme zu erheben, wenn andere schweigen.

Wer Haltung zeigt, macht sich angreifbar.

Wer schweigt, schützt häufig sich selbst.

Wer widerspricht, schützt andere.

Gerade für Führungskräfte gehört diese Haltung zu einer gesunden Unternehmenskultur. Denn offene Kommunikation und psychologische Sicherheit entstehen nur dort, wo Menschen Kritik und Fehlverhalten ansprechen können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Mehr dazu habe ich bereits im Beitrag über offene Kommunikation in Unternehmen beschrieben:

👉 Offene Kommunikation im Unternehmen: Warum Kritik oft bestraft wird

Auch an der Kempten Business School beschäftigen wir uns in unseren Weiterbildungsprogrammen intensiv mit Themen wie Führung, Unternehmenskultur und psychologischer Sicherheit. Denn eine konstruktive Kultur entsteht nicht durch Leitbilder, sondern durch das Verhalten jedes Einzelnen.

Fazit

Die entscheidende Frage lautet nicht:

Wer hat das Mobbing begonnen?

Sondern:

Welchen Beitrag leiste ich dazu, dass es weitergeht oder endet?

Zivilcourage bei Mobbing beginnt nicht erst mit großen Gesten.

Sie beginnt im Alltag dort, wo Menschen den Mut haben, nicht wegzusehen.