Das Bild ist im Querformat gestaltet. Es teilt sich in eine linke Grafikfläche und ein rechtes Porträtfoto auf. Die linke, größere Hälfte des Bildes hat einen tiefen, dunkelblauen Hintergrund. Darauf ist in großen, weißen Druckbuchstaben das folgende Zitat zu lesen: „Frauen in Führung verändern die Kultur, nicht nur die Quote“ Ganz unten links auf der dunkelblauen Fläche steht in kleinerer, weißer Schrift der Name der Urheberin: Katrin Winkler. Auf der rechten Seite geht die farbige Fläche in einer eleganten Kurve in das Porträtfoto über. Das Foto zeigt Katrin Winkler in einer professionellen Nahaufnahme vor einem hellen, leicht gemusterten Hintergrund. Sie blickt mit einem freundlichen, offenen und selbstbewussten Lächeln direkt in die Kamera. Ihre dunklen Haare sind leicht gewellt und fallen ihr offen über die Schultern. Sie trägt filigrane, lange Ohrringe und eine elegante, weiße Bluse, was der gesamten Aufnahme eine sehr positive, nahbare und inspirierende Wirkung verleiht.

Frauen in Führung: Warum erfahrene Leistungsträgerinnen Unternehmen verlassen

Die eigentliche Frage lautet nicht: Warum gehen Frauen?

Wenn über Fachkräftemangel gesprochen wird, richtet sich der Blick häufig auf Recruiting, Employer Branding oder den Wettbewerb um Talente.

Deutlich seltener stellen Unternehmen eine andere Frage:

Warum verlassen erfahrene Frauen ihre Organisationen?

Gemeint sind nicht Berufseinsteigerinnen oder Nachwuchskräfte. Gemeint sind die Frauen, die Verantwortung übernehmen, Teams führen und Ergebnisse liefern. Diejenigen, von denen Unternehmen immer wieder betonen, dass sie unverzichtbar seien.

Und trotzdem gehen sie.

Nicht plötzlich und nicht gemeinsam.

Sondern oft leise. Eine nach der anderen.

Warum erfahrene Frauen kündigen

Interessanterweise sind es häufig nicht die Frauen mit den geringsten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Unternehmen verlassen.

Es sind oft diejenigen mit den besten Perspektiven.

In einem Gespräch mit einer Freundin, die selbst eine C-Level-Position aufgegeben hat, fiel ein Satz, der lange nachwirkt:

„Irgendwann wollte ich nicht mehr kämpfen. Ich wollte mich nicht mehr anpassen. Ich wollte nicht mehr die Schwierige sein. Und ich wollte nicht mehr ohne Anerkennung arbeiten.“

Dieser Satz verweist auf ein Thema, das weit über individuelle Erfahrungen hinausgeht.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Frauen ihren Arbeitgeber häufig nicht primär wegen familiärer Verpflichtungen verlassen. Eine Studie aus der Tech-Branche kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Nur ein sehr kleiner Teil der Frauen nennt Care-Arbeit oder Kinderbetreuung als Hauptgrund für den Ausstieg.

Viel häufiger werden andere Faktoren genannt:

  • Fehlende Karrieremöglichkeiten
  • Mangelnde Anerkennung
  • Ungleiche Bezahlung
  • Schlechte Unternehmenskultur

Frauen in Führung wollen nicht weniger – sie erwarten faire Bedingungen

Die Diskussion wird häufig in die falsche Richtung geführt.

Oft entsteht der Eindruck, Frauen würden ihre Karriere zurückstellen oder weniger ambitioniert sein.

Die genannten Gründe zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Viele Frauen verlassen Unternehmen nicht, weil sie weniger wollen.

Sie verlassen Unternehmen, weil sie irgendwann nicht mehr bereit sind, dauerhaft mehr leisten zu müssen, um dieselbe Anerkennung, dieselben Chancen oder dieselbe Sichtbarkeit zu erhalten.

Damit knüpft das Thema unmittelbar an die Frage an, wie Leistung überhaupt bewertet wird. In einem früheren Beitrag habe ich darüber geschrieben, warum identische Leistungen und Fehler häufig unterschiedlich wahrgenommen werden:

👉 Frauen, Fehler und Kompetenz: Warum identische Leistungen oft unterschiedlich bewertet werden

Warum Unternehmen ihre besten Frauen verlieren

Vielleicht liegt der Unterschied darin, wie Menschen mit Frustration umgehen.

Viele bleiben lange in Systemen, die sie unzufrieden machen.

Andere treffen irgendwann eine bewusste Entscheidung.

Sie wechseln.

Nicht aus Schwäche.

Sondern weil sie erkennen, dass ihre Energie, ihre Kompetenz und ihr Engagement an anderer Stelle besser eingesetzt werden können.

Genau deshalb sollten Unternehmen genauer hinschauen, wenn erfahrene Leistungsträgerinnen gehen.

Denn häufig verlassen Frauen nicht ihre Karriere.

Sie verlassen Rahmenbedingungen, die ihre Entwicklung behindern.

Passend dazu stellt sich auch die Frage, wie Frauen ihr eigenes Potenzial wahrnehmen und welche Rolle Selbstbild und Positionierung für Karrierewege spielen:

👉 Ich habe lange geglaubt, nicht gut genug zu sein

Was Unternehmen daraus lernen können

Die entscheidende Frage lautet daher nicht:

„Warum gehen die Frauen?“

Sondern:

„Warum bleiben sie nicht?“

Wer Frauen in Führung langfristig binden möchte, sollte weniger über Motivation sprechen und stärker über Rahmenbedingungen.

Über Entwicklungsmöglichkeiten.

Über Anerkennung.

Über faire Karrierechancen.

Und über eine Unternehmenskultur, in der Leistung sichtbar wird und wertgeschätzt wird.

Gerade deshalb beschäftigen wir uns auch im Women in Leadership Programm der Kempten Business School intensiv mit den Themen Selbstbild, Sichtbarkeit, Führung und Karriereentwicklung. Denn nachhaltige Veränderungen entstehen nicht nur durch individuelle Entwicklung, sondern auch durch Organisationen, die das Potenzial ihrer Talente wirklich nutzen wollen.

Fazit

Frauen in Führung verlassen Unternehmen häufig nicht wegen mangelnder Ambitionen.

Sie gehen, weil Anerkennung fehlt, Entwicklung stagniert oder die Unternehmenskultur ihren Beitrag als selbstverständlich betrachtet.

Vielleicht laufen Frauen Unternehmen also gar nicht davon.

Vielleicht verlassen sie lediglich Orte, an denen ihre Leistung übersehen wird und ihre Entwicklung keine Priorität hat.