Auf der linken Seite befindet sich eine dunkelbraune Fläche mit dem großen, weißen Zitat: „Nichtstun ist oft das sicherste Karrieremodell“ Unten links steht in weißer Schrift der Name Katrin Winkler. Die rechte Bildhälfte geht in geschwungener Form in ein Porträtfoto über. Es zeigt Katrin Winkler im melierten Tweed-Kleid, wie sie entspannt angelehnt sitzt, aufmerksam auf ihr Smartphone blickt und darin tippt.

Wenn du nichts machst, kannst du keine Fehler machen

„Wenn du nichts machst, kannst du keine Fehler machen.“

Diesen Satz hört man häufig, besonders, wenn über den öffentlichen Dienst gesprochen wird.

Fast genauso häufig folgt dann die Floskel:

„Beamte werden doch gar nicht nach Leistung bezahlt.“

Diese Aussage greift aus meiner Sicht zu kurz.

Denn das eigentliche Problem ist oft nicht die Verbeamtung oder der öffentliche Dienst. Das Problem sind Anreizsysteme, die Menschen dafür belohnen, Risiken zu vermeiden, statt Verantwortung zu übernehmen.

Das Problem mit Verantwortung und Fehlern

Schauen wir uns die Privatwirtschaft an:

Wie viele Mitarbeitende erleben, dass diejenigen, die schwierige Projekte übernehmen, am Ende auch die Verantwortung tragen, wenn etwas schiefgeht? Während andere, die möglichst unauffällig arbeiten, selten Kritik bekommen.

Oder anders formuliert:

  • Wer Entscheidungen trifft, kann Fehler machen.
  • Wer Innovationen vorantreibt, kann scheitern.
  • Wer Veränderungen anstößt, macht sich angreifbar.
  • Wer dagegen nichts wagt, produziert oft auch keine sichtbaren Fehler.

Das ist kein Beamtenproblem. Das ist ein Organisationsproblem.

Was die Organisationsforschung zeigt

Die Organisationsforschung beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema. Studien zeigen, dass finanzielle Anreize allein nur begrenzte Wirkung auf die Leistung haben.

Gerade bei wissensintensiven Tätigkeiten sind andere Faktoren oft deutlich wichtiger:

  • Sinnhaftigkeit der Arbeit
  • Eigenverantwortung
  • Anerkennung
  • Vertrauen
  • gute Führung
  • psychologische Sicherheit
  • eine Fehlerkultur, in der Lernen wichtiger ist als Schuldzuweisung

Amy Edmondson von der Harvard Business School hat mit ihrer Forschung zur Psychological Safety gezeigt, dass Teams erfolgreicher sind, wenn Mitarbeitende keine Angst haben müssen, für Fehler oder kritische Fragen abgestraft zu werden.

Auch Daniel Pink fasst in seinem Buch Drive zahlreiche Studien zusammen, die zeigen, dass Motivation langfristig vor allem durch Autonomie, Kompetenz und Sinn entsteht und nicht allein durch Geld.

Leistungsunterschiede gibt es trotzdem

Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine Leistungsunterschiede gibt.

Natürlich gibt es in Behörden Mitarbeitende, die sich hinter Strukturen verstecken.

Genauso gibt es in Unternehmen Menschen, die sich möglichst aus jeder Verantwortung heraushalten.

Und ebenso gibt es in beiden Welten Menschen, die weit über das Erwartbare hinausgehen.

Deshalb halte ich wenig von pauschalen Aussagen wie:

„Beamte arbeiten nicht.“ oder „In der Wirtschaft zählt nur Leistung.“

Beides entspricht nicht der Realität.

Wie gestalten wir Organisationen richtig?

Die viel spannendere Frage lautet:

Wie gestalten wir Organisationen so, dass Engagement belohnt wird und Nichtstun nicht die sicherste Strategie ist?

Denn wenn Menschen lernen, dass jeder Fehler bestraft wird, während Untätigkeit folgenlos bleibt, entsteht zwangsläufig eine Kultur der Absicherung.

Und dann gilt tatsächlich:

„Wenn du nichts machst, kannst du keine Fehler machen.“

Nicht, weil Menschen faul sind.

Sondern weil das System genau dieses Verhalten belohnt.

#Führung #Management