Die meisten Menschen halten mich für selbstbewusst.
Vielleicht, weil ich auf Bühnen stehe. Weil ich Klartext spreche. Weil ich Führung lehre. Weil ich sichtbar bin.
Nach außen mag das so wirken.
Wenn ich aber in den Spiegel geschaut habe, habe ich lange etwas ganz anderes gesehen:
Jemanden, der sich ständig gefragt hat: Bin ich wirklich gut genug?
Dieses Gefühl hat mich über Jahre begleitet. Und ich dachte lange, das sei mein persönliches Thema.
Heute weiß ich: Das war es nicht.
Selbstzweifel bei Frauen sind kein rein persönliches Problem
Eine Studie von Exley und Kessler (2021) zeigt, dass Frauen ihre eigene Leistung systematisch geringer einschätzen als Männer, selbst dann, wenn sie objektiv gleich gut sind.
Die unbequeme Wahrheit ist:
Wir sprechen viel über gläserne Decken. Viel zu wenig sprechen wir über das Bild, das Frauen von sich selbst haben.
Denn selbst wenn Frauen genau wissen, dass sie gute Leistung erbracht haben, bleibt ihre Selbsteinschätzung häufig kritischer.
Das Problem ist also nicht fehlende Kompetenz.
Es ist ein Selbstbild, das über Jahre geprägt wurde.
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Selbstzweifel beeinflussen auch Karriereentscheidungen
Und genau hier wird die Diskussion unbequem.
Ja, wir brauchen strukturelle Veränderungen.
Aber wir werden nichts verändern, wenn wir die innere Dimension ausklammern.
Denn Karriere entsteht nicht nur durch Chancen.
Sie entsteht auch dadurch, ob wir uns zutrauen, diese Chancen überhaupt zu ergreifen.
Wer die eigene Leistung ständig hinterfragt, bewirbt sich möglicherweise seltener auf Führungspositionen, fordert weniger ein oder schreibt Erfolge eher äußeren Umständen zu.
Selbstzweifel bei Frauen können damit nicht nur das persönliche Wohlbefinden beeinflussen, sondern auch berufliche Entscheidungen und Karrierewege.
Selbstvertrauen beginnt mit einem realistischen Selbstbild
Ich habe viele Jahre gebraucht, dieses Selbstbild zu verändern.
Deshalb habe ich das Women in Leadership Programm an der Kempten Business School entwickelt.
Nicht, weil Frauen mehr Kompetenz brauchen.
Sondern weil sie lernen dürfen, ihre vorhandene Kompetenz mit derselben Selbstverständlichkeit zu sehen, mit der andere sie längst sehen.
Vielleicht müssen wir deshalb neben der Frage nach strukturellen Barrieren auch eine andere stellen:
Was wäre möglich, wenn Frauen ihre eigene Leistung genauso hoch einschätzen würden wie andere?
Quelle: Exley, C. L., & Kessler, J. B. (2021). The Gender Gap in Self-Promotion. NBER Working Paper No. 26345.
