Ein Gefühl, das viele kennen
Ich habe lange geglaubt, nicht gut genug zu sein.
Und das war kein kurzer Zweifel, kein situativer Moment.
Es war ein Gefühl, das mich über Jahre begleitet hat – leise, aber konstant.
Dieses innere Hinterfragen:
- Ob andere nicht eigentlich kompetenter sind
- Ob das, was ich leiste, wirklich ausreicht
- Ob ich mich vielleicht überschätze – obwohl ich mich in Wahrheit eher unterschätzt habe
Heute weiß ich: Dieses Gefühl ist kein Einzelfall.
Warum Frauen ihre Leistung unterschätzen
Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, folgt einem Muster, das wissenschaftlich gut belegt ist.
Eine groß angelegte Studie von Christine Exley und Judd B. Kessler zeigt, dass Frauen ihre eigene Leistung systematisch schlechter bewerten als Männer selbst dann, wenn sie objektiv gleich gut sind.
Das bedeutet nicht nur vorsichtigere Formulierungen.
Es bedeutet:
- geringeres Zutrauen in die eigene Kompetenz
- kritischere Selbstbewertung
- zurückhaltendere Einschätzung von Erfolgschancen
Besonders bemerkenswert:
Selbst wenn Frauen genau wissen, wie gut sie waren, bleibt dieser Unterschied bestehen.
Wir sprechen hier also nicht über fehlende Information.
Wir sprechen über ein tief verankertes Selbstbild.
Frühe Prägung statt individuelles Defizit
Diese Muster entstehen nicht erst im Berufsleben.
Sie lassen sich bereits im Jugendalter beobachten.
Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist daher in vielen Fällen kein individuelles Problem, sondern das Ergebnis früher Prägung.
Warum Selbstbild über Karriere entscheidet
So wichtig strukturelle Veränderungen auch sind sie greifen zu kurz, wenn wir die innere Dimension ausblenden.
Solange Frauen dazu tendieren, ihre eigene Leistung geringer einzuschätzen und vorsichtiger zu kommunizieren, entstehen Unterschiede in Karriereverläufen nicht nur durch äußere Barrieren.
Sondern auch durch Wahrnehmung und Verhalten.
Das macht das Thema unbequem aber gleichzeitig unverzichtbar.
Entwicklung ist möglich
Ich habe über die Jahre gelernt, dieses Selbstbild aktiv zu verändern.
Das war kein linearer Prozess und ganz sicher kein Zufall.
Es brauchte:
- bewusste Auseinandersetzung
- Reflexion
- Menschen, die fordern und unterstützen
Heute erlebe ich mich anders: klarer, sicherer, mit einem stabilen Vertrauen in die eigene Kompetenz.
Und genau deshalb weiß ich, wie entscheidend dieser Entwicklungsprozess ist.
Räume für Entwicklung schaffen
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, brauchen wir gezielte Räume für Entwicklung.
Räume, in denen es nicht nur um Fachlichkeit geht, sondern um:
- Selbstbild
- Wirkung
- Positionierung
Programme wie das Women in Leadership Programm an der Kempten Business School setzen genau hier an an der Verbindung von innerer Entwicklung und professioneller Führung.
Fazit
Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist oft kein persönliches Scheitern.
Sondern ein erlerntes Muster.
Und genau deshalb ist es auch veränderbar.
