Das Bild zeigt die deutsche Version des visuellen Buch-Konzepts zu „Leadership & Fehlerkultur“: Im oberen Bereich steht die prägnante Headline: „Fehler. Für Frauen ein Karriererisiko. Für Männer eine Lernchance?“ Darunter teilt sich die visuelle Szene in zwei gegensätzliche Karrierepfade: Links: Eine Frau im dunklen Business-Anzug geht auf einem rötlichen, brüchigen und mit Geröll übersäten Pfad. Die risse- und hindernisreiche Oberfläche symbolisiert das erhöhte Stigmatisierungspotenzial und Karriererisiko, mit dem Frauen bei Fehltritten im Berufsleben häufig konfrontiert sind. Rechts: Ein Mann im Anzug bewegt sich auf einem ebenen, glatten und hindernisfreien Weg voran. Dies verbildlicht den gesellschaftlichen Spielraum und die Nachsicht, die Männern oft zugestanden werden, um Fehler als konstruktive Erfahrung zu verbuchen. Auf der rechten Buchseite ist begleitender Fließtext angedeutet, der die Debatte um ungleiche Leistungsbewertung, Gender Bias und den Wandel hin zu einer fairen Fehlerkultur vertieft.

Wer kann es sich leisten, im Job Fehler zu machen?

Eine Frage, die mich schon länger auch persönlich beschäftigt: Darf ich mir als Frau erlauben, Fehler zu machen?

Meine Vermutung bisher: Besser nicht!

Und dieses Gefühl wird nun leider auch noch von einer aktuellen Studie gestützt.

Lordan und Will (2026) haben untersucht, wie Beschäftigte in der britischen Finanzbranche den Umgang mit Fehlern wahrnehmen.

Dabei zeigt sich:

  • Frauen in stark männerdominierten Arbeitsumgebungen fühlen sich weniger wohl dabei, Fehler einzugestehen.
  • Sie nehmen Fehler auch seltener als Gelegenheit wahr, etwas zu lernen.

Wahrnehmung vs. Belege: Ein wichtiger Unterschied

Was ich daran interessant finde: Die Studie belegt nicht, dass Frauen tatsächlich härter für Fehler bestraft werden. Sie zeigt zunächst, wie unterschiedlich Menschen die Situation einschätzen.

Und das ist ein wichtiger Unterschied.

Die Untersuchung ist zudem auf eine Branche begrenzt. Ihre Ergebnisse lassen sich also nicht einfach auf alle Unternehmen übertragen.

Mut braucht die richtigen Rahmenbedingungen

Trotzdem frage ich mich: Was passiert mit unserer Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen oder Neues auszuprobieren, wenn wir das Gefühl haben, dass uns Fehler stärker angelastet werden könnten?

Wir sprechen oft darüber, dass Frauen selbstbewusster auftreten, sichtbarer werden und sich mehr zutrauen sollten. Aber vielleicht sollten wir mindestens genauso oft darüber sprechen, welche Arbeitsbedingungen es Menschen überhaupt ermöglichen, mutig zu sein.

Individuelle Stärkung und strukturelle Veränderung

Für mich gehört beides zusammen: Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu stärken und gleichzeitig die Strukturen kritisch zu hinterfragen, in denen sie arbeiten.

Hier setze ich auch mit dem Women in Leadership Kurs der Kempten Business School an: als Möglichkeit, die eigene Führungsrolle zu reflektieren, sich auszutauschen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Denn Frauen zu stärken und Unternehmenskulturen zu verändern, darf kein Entweder-oder sein.

Quelle

Lordan, G. & Will, P. (2026). Is it ok to make mistakes at work? Perceptions of differential treatment of mistakes by men and women in the workplace. Frontiers in Organizational Psychology, 4, Article 1619562. https://lnkd.in/eVmzVdvR