Warum viele Unternehmen ihre besten Markenbotschafter ausbremsen
Immer mehr Unternehmen setzen auf Corporate Influencer, um ihre Arbeitgebermarke zu stärken und ihre Reichweite in sozialen Netzwerken auszubauen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein Widerspruch, der den Erfolg solcher Programme häufig verhindert.
Mitarbeitende sollen sichtbar sein, allerdings nur innerhalb enger Vorgaben.
Jeder Beitrag wird abgestimmt, jede Formulierung geprüft und jede persönliche Meinung kritisch hinterfragt. Die Folge: Aus authentischen Persönlichkeiten werden austauschbare Unternehmenssprecher.
Dabei lebt erfolgreiches Corporate Influencing genau vom Gegenteil.
Corporate Influencer investieren freiwillig in ihre Arbeitgebermarke
Wer regelmäßig über den eigenen Arbeitgeber schreibt, Erfahrungen teilt, Beiträge kommentiert oder Diskussionen anstößt, investiert weit mehr als nur Zeit.
Corporate Influencer investieren ihre persönliche Reputation.
Sie identifizieren sich mit ihrem Unternehmen und machen diese Verbundenheit öffentlich sichtbar.
Das geschieht nicht aus Pflichtgefühl.
Sondern weil sie hinter ihrem Arbeitgeber stehen.
Gerade deshalb ist Misstrauen gegenüber engagierten Mitarbeitenden oft schwer nachvollziehbar.
Warum Unternehmen Angst vor Sichtbarkeit haben
Viele Organisationen befürchten,
- dass Mitarbeitende abgeworben werden,
- dass einzelne Personen sichtbarer werden als die Unternehmensseite,
- oder dass persönliche Meinungen der Marke schaden könnten.
Diese Sorgen führen häufig zu umfangreichen Freigabeprozessen und einer starken Kontrolle der Kommunikation.
Doch genau dadurch geht der eigentliche Mehrwert verloren.
Menschen folgen Menschen.
Nicht Logos.
Nicht Kommunikationsrichtlinien.
Nicht Unternehmensprofilen.
Gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, automatisierten Texten und austauschbaren Marketingbotschaften gewinnen echte Persönlichkeiten immer stärker an Bedeutung.
Authentizität ist der wichtigste Erfolgsfaktor
Die Forschung zeigt seit Jahren, dass Mitarbeitende zu den glaubwürdigsten Markenbotschaftern eines Unternehmens gehören.
Programme rund um Corporate Influencer beziehungsweise Employee Advocacy steigern Reichweite, Vertrauen und Markenwahrnehmung häufig deutlich stärker als klassische Unternehmenskommunikation.
Der Grund ist einfach:
Authentizität lässt sich nicht verordnen.
Wer das Gefühl hat, ständig beobachtet, bewertet oder korrigiert zu werden, wird vorsichtiger.
Persönliche Geschichten verschwinden.
Eigene Meinungen werden zurückgehalten.
Am Ende entstehen Beiträge, die zwar formal korrekt sind, aber kaum noch jemanden interessieren.
Vielleicht interessiert Sie in diesem Zusammenhang auch unser Beitrag über offene Kommunikation, in dem wir zeigen, warum Vertrauen und psychologische Sicherheit zentrale Voraussetzungen für Innovation und Beteiligung sind.
Auch ein Spannender Beitrag zu dem Thema: Offene Kommunikation im Unternehmen: Warum Kritik oft bestraft wird
Vertrauen statt Mikromanagement
Wer erfolgreiche Corporate Influencer aufbauen möchte, sollte ihnen vor allem eines geben:
Vertrauen.
Dazu gehört,
- Persönlichkeit zuzulassen,
- individuelle Perspektiven zu akzeptieren,
- unterschiedliche Meinungen auszuhalten,
- und nicht jede Aussage bis ins Detail kontrollieren zu wollen.
Denn Sichtbarkeit entsteht nicht durch perfekte Kommunikation.
Sie entsteht durch glaubwürdige Menschen.
Auch unser Beitrag über psychologische Sicherheit und offene Kommunikation zeigt, dass Menschen ihre Ideen und Meinungen nur dann einbringen, wenn sie keine negativen Konsequenzen befürchten müssen.
Corporate Influencer brauchen Freiheit
Corporate Influencer sind keine Unternehmensbroschüren mit Profilbild.
Sie funktionieren nur dann, wenn Persönlichkeit sichtbar werden darf.
Wer Reichweite aufbauen möchte, muss Vertrauen schenken.
Wer Glaubwürdigkeit gewinnen möchte, muss Eigenständigkeit zulassen.
Die größte Gefahr für Unternehmen sind deshalb nicht sichtbare Mitarbeitende.
Die größte Gefahr sind Mitarbeitende, die nichts mehr zu sagen haben.
