Unbequeme Wahrheit: Die größte Bremse in Organisationen heißt nicht Widerstand. Sie heißt Cover Your Ass (CYA).
CYA ist kein individuelles Fehlverhalten. Es ist ein Systemeffekt.
Menschen sichern sich ab, wenn sie gelernt haben, dass Fehler gefährlich sind, Verantwortung im Unternehmen riskant ist und Sichtbarkeit sich nur dann lohnt, wenn alles gut läuft.
Genau unter diesen Bedingungen entsteht CYA.
Wie sich CYA im Arbeitsalltag zeigt
Die Symptome sind in vielen Organisationen klar erkennbar:
- E-Mails mit zahlreichen CC-Empfängern , nicht zur Klärung, sondern zur Absicherung
- Protokolle halten fest, wer was gesagt hat aber nicht, was entschieden wurde.
- Aussagen wie:
- „Ich habe das damals schon angemerkt …“
- „Das lag nicht in meinem Verantwortungsbereich.“
- „Ich habe nur umgesetzt.“
- Menschen sprechen Risiken an, formulieren sie aber so vage, dass keine Konsequenzen folgen.
- Teams vertagen Entscheidungen, zerlegen sie in Einzelteile oder schieben sie nach oben weiter.
Das Ergebnis ist ein paradoxes System:
Alle sind informiert, aber niemand übernimmt Verantwortung.
Warum CYA kein rationales Verhalten ist
CYA fühlt sich auf den ersten Blick rational an. Tatsächlich ist es ein psychologischer Selbstschutzmechanismus. Menschen versuchen, ihr Selbstbild zu stabilisieren und vermeiden Schuldzuweisung.
Kurzfristig wirkt das entlastend.
Langfristig ist es jedoch hoch problematisch, denn in Organisationen, in denen CYA dominiert:
- Informationen zu spät geteilt
- Risiken nicht offen angesprochen
- Fehler wiederholt
- Entscheidungen verlangsamt
- Lernen verhindert
Das System wirkt nach außen kontrolliert, ist aber in Wirklichkeit von Unsicherheit geprägt.
In solchen Strukturen wird Kritik nicht mehr offen geäußert, ein Mechanismus, den ich auch im Kontext von offener Kommunikation im Unternehmen genauer beschrieben habe
Die Verantwortung liegt bei Führung
Der entscheidende Punkt ist: CYA entsteht nicht, weil Mitarbeitende „zu sensibel“ sind.
CYA entsteht, weil Organisationen Verantwortung einfordern aber Sanktionen leben.
Wer bei Fehlern fragt:
„Wie konnte das passieren?“
aber eigentlich meint:
„Wer war das?“
braucht sich über defensives Verhalten nicht zu wundern.
Dieses Spannungsfeld ist auch im Kontext moderner Führung und organisationaler Entwicklung zentral, Themen, die unter anderem an der Kempten Business School intensiv behandelt werden. Verantwortung entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gelebte Kultur.
Warum Appelle nicht ausreichen
CYA verschwindet nicht durch gut gemeinte Aufforderungen.
Es reicht nicht zu sagen: „Übernehmt mehr Verantwortung.“
CYA verschwindet aber nur dann, wenn:
- Führungskräfte und Mitarbeitende übernehmen auf allen Ebenen konsequent Verantwortung.
- Teams reflektieren Fehler, statt sie zu sanktionieren.
- Probleme offen angesprochen werden können
Das erfordert Konsequenz, vor allem auf Führungsebene.
Fazit: Wo CYA dominiert, stirbt Verantwortung im Unternehmen
Die zentrale Erkenntnis aus vielen Jahren in Organisationen ist klar:
- Wo CYA dominiert, stirbt Verantwortung in Unternehmen
- Wo Verantwortung fehlt, verlangsamt sich alles
- Und was langsam wird, verliert langfristig an Wettbewerbsfähigkeit
Die entscheidende Frage lautet daher:
Was wird in eurer Organisation belohnt, Verantwortung oder Absicherung?
